Spannende Premiere im Getreidesilo 15. September 2015

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Eines vorweg: Die nun folgenden Zeilen sind der wohl längste Rennbericht, der jemals von Towerrunning Austria veröffentlicht wurde. Mit Rudi Reitberger ließ es sich einer der wohl erfahrensten Stiegenläufer Österreich nicht nehmen das spektakuläre Rennen zusammenfassen. Was die Veranstaltung umso mehr adelt, da er offensichtlich in einen wahren Schreibrausch verfiel und gar nicht mehr aufhören konnte. Also Zeit nehmen, zurück lehnen und viel Spaß beim Lesen:
Erstmals – soweit uns bekannt ist sogar weltweit – fand ein Stiegenlauf in einem Silo statt. Ort dieses Geschehens war der Lagerhaus-Silo im Niederösterreichischen Sankt Leonhard am Forst. Da die knapp 40 Höhenmeter und 176 Stufen eine doch recht kurze Laufzeit ergeben, war die Idee eines zwar seltenen aber recht spektakulären Wettkampfformates naheliegend: Nach einer Qualifikationsrunde, in der jeder Läufer im Einzelstartmodus seine Aufstiegszeit ermittelt bekam, ging es für die 16 schnellsten Männer und die 8 flottesten Frauen in KO-Runden weiter.
Das Damenfeld war von zwei bekannten Namen geprägt: Die in Sachen Treppenlaufsport Weltreisende Slowenin Jasmina Klancnik (aktuell Platz 11 in der TWA Weltrangliste) und Österreichs (Sprint-) Aufsteigerin des Jahres Veronika Sengstbratl. Die weiteren Damen, welche sich der ungewohnten Herausforderung stellten, waren im Wesentlichen selbst Insidern unbekannte lokale Athletinnen.
Schon nach der Qualifikation zeigte sich, dass wohl 4 Frauen an diesem Tag das Rennen prägen werden. Neben den schon Genannten waren dies die beiden erst 14jährigen Freundinnen Klaudia Emsenhuber und Claudia Scheichelbauer. Diese 4 Sportlerinnen qualifizierten sich dann auch für das Semifinale in dem überraschenderweise für Jasmina im Duell gegen Klaudia Endstation war. Im kleinen Finale konnte sich die Slowenin gegen Claudia schadlos halten und mit vorläufigem Streckenrekord Platz 3 sichern. Als auch die erste Finalistin (Klaudia) an der bisherigen Tagesbestzeit scheiterte, lag es an Veronika nicht nur den Tagessieg zu holen, sondern auch zu beweisen, dass das große Finale ein höheres Niveau als das kleine hat. Tatsächlich konnte Sie sich nochmals steigern und mit neuem Streckenrekord von 55,62 Sekunden letztlich relativ klar in ihrem erst fünften Stiegenlauf den ersten Gesamtsieg erringen.
In der Startliste des Männerbewerbs standen sich ebenfalls bekannte nationale Athleten (z.B. die Hausleitner-Brothers, Vater und Sohn Frühwirth, der Autor dieser Zeilen Rudi Reitberger, …) und regionale Athleten gegenüber. Für die Letztgenannten war es wohl in aller Regel der erste Treppenlauf.
Umso schwieriger konnte man dadurch deren Leistungsfähigkeiten einzuschätzen. Da im engen Männerfeld taktieren schnell nach hinten los gehen kann, mussten bereits in der Qualifikation die Karten offengelegt werden. Vor dem Rennen wurde noch gerätselt ob und wie viele unter der magischen 1 Minute-Grenze bleiben. Letztlich war eine Zeit von 54,19 Sekunden nötig, um überhaupt in die Runde der letzten 16 einziehen zu können. Die Dichte des Feldes zeigt sich auch daran, dass in der Qualifikationsrunde zwischen Platz 3 und Platz 16 nur 4,2 Sekunden lagen.
Trotz teilweise sensationeller Leistungssteigerungen im Achtelfinale (7 Athleten liefen unter die 50 Sekunden-Marke) blieben sowohl in diesem als auch im Viertelfinale die großen Überraschungen aus und es bestätigte sich im Wesentlichen die Setzliste aus der Qualifikation. Im Semifinale kam es einerseits zum Bruderduell Hausleitner gegen Hausleitner, in dem sich Klaus gegen Thomas durchsetzte und andererseits zum Duell der lokalen Topathleten Johannes Baumgartner und Christian Emsenhuber. Am Ende hatte Johannes um 0,52 Sekunden die Nase vor Christian, welcher danach zumindest das kleine Finale gegen den sichtlich vom Bruderduell geschwächten Thomas gewann.
Obwohl sich Johannes im großen Finale nochmals steigern konnte (45,63 Sekunden), bestätigte sich, was der Expertenblick in all den Runden zuvor erkannte. Klaus war der einzige Athlet, welcher nicht an sein absolutes Limit gehen musste und trotzdem den Aufstieg jeweils souverän schaffte. Im Finale zeigte dann der Weltklasseathlet (aktuell Platz 10 in der TWA-Weltrangliste) sein gesamtes Können und ersprintete das weithin höchste Gebäude der Umgebung in fabelhaften 42,77 Sekunden. Das vielleicht Bemerkenswerteste an seiner Leistung war aber wohl, dass er an diesem Tag in erster Linie für die Abwicklung des Rennens zuständig war. Klaus führte die Anmeldung durch, koordinierte die Zeitmessung, war Startrichter, machte die Auswertung und koordinierte den gesamten Rennablauf. Dazwischen – teilweise ohne ernsthaftes Aufwärmprogramm – lief er noch fünfmal den Turm hoch um am Ende als großer Triumphator aus dem Bewerb zu gehen.
Abgeschlossen wurde der Lauf schließlich mit einer der wohl stimmungsvollsten Siegerehrungen in der Geschichte des Stiegenlaufsports. Speziell als die lokalen Läufer zur Ehrung aufgerufen wurden brandete tosender Jubel durch das Bierzelt. Lauter wurde es nur bei der abschließenden Ehrung von Josef Pruckner, der sich im stolzen Alter von 85 Jahren kurzfristig entschloss am Lauf teilzunehmen und den Turm in 2:07,20 bezwang. Eine Leistung vor der man sich nur verneigen kann!
Für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung, welche in die 50 Jahr Feier des Siloturmes eingebettet war, sorgte die örtliche Landjugend, die mit unermüdlichem Einsatz die Nächte vor dem Event durcharbeiteten, um den Silo auf Hochglanz zu polieren und das Stiegenhaus vom Staub zu befreien. Eine Leistung, die auf jeden Fall mit jener der Athleten gleichzusetzen ist.
Abschließend sei noch dem Lagerhaus für die zur Verfügungstellung der außergewöhnlichen Rennlocation gedankt. Hoffentlich dauert es keine weiteren 50 Jahre bis zu einer Neuauflage dieses Spektakels.