Interview mit Klaus Hausleitner (AUT)
Nach seinem Comeback im Juni 2024 beim ersten DC – Tower Run hat Klaus Hausleitner wieder das Treppenlauffieber gepackt. In der Saison 2025 startete er wieder voll durch und beschloss das Jahr nach starken Leistungen auf Platz 8 der Weltrangliste. Damit war er der bestplatzierte Österreicher und wir haben ihn zum Abschluss der Saison zum Interview gebeten.
TRA: Du hast vor einigen Jahren den Treppenlauf zu deinem Sport erklärt. Training im Treppenhaus allein, ist nicht Alles. Was gehört bei dir noch zu den Erfolgsfaktoren?
K.H.: Ja, meiner Ansicht nach gehört noch mehr als das Training zu einem erfolgreichen Athleten. Zum einen die Ernährung, denn die Maschine kann nur laufen, wenn sie die richtige Energie bekommt. Durch ungünstige Ernährung kann das Training oder der Wettkampf ganz schnell (im wahrsten Sinne des Wortes) in die Hose gehen. Ganz wichtig ist auch der mentale Faktor. Im Laufe des Wettkampfes wird zweifellos der Punkt kommen, an dem es schmerzhaft wird. Wer da nicht die mentale Stärke besitzt, um diesen Schmerz niederzukämpfen und die Leistung aufrecht zu erhalten, wird die wichtigen Sekunden verlieren.
TRA: Um Weltcuppunkte zu sammeln musst du zwangsweise an Orte reisen, die du sonst nicht besuchen würdest. Wie würde dein idealer Treppenlaufwettkampftag aussehen?
K.H.: Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich kein großer Freund des Reisens bin. Meine Idealvorstellung wäre hinfahren, rauflaufen und wieder heimfahren. Üblicherweise nutze ich dann aber schon die Zeit, um mir ein paar Sehenswürdigkeiten am Wettkampfort anzusehen und wenn ich dann zum Beispiel mit Görge Heimann unterwegs bin sind das auch immer großartige Erinnerungen.
TRA: Als Hobbyathlet bist du im Alltag mit Familie und Beruf eingespannt.
Was ist dein Geheimnis – dennoch oder deswegen – solch eine Motivation und Disziplin zu erzielen und zu halten?
K.H.: Natürlich gibt es da einige Herausforderungen hinsichtlich Zeiteinteilung und Motivation, denen man sich stellen muss. Jedoch sehe ich diese Konstellation als großen Vorteil für mich. Kind und Frau unterstützen mich ganz unabhängig von meinen Ergebnissen. Bei Erfolgen freuen sie sich für mich und wenn es nicht so läuft, bin ich immer noch Papa und Ehemann. Beruflich bin ich abgesichert, muss mir keine Gedanken um das Finanzielle machen, brauche keine Sponsoren zufriedenstellen und könnt prinzipiell jederzeit aus dem Sport wieder aussteigen. Das heißt bei mir ist alles, was mit dem Treppenlaufen zu tun hat ein „Kann“ und kein „Muss“ und das ist eine große Hilfe bei der mentalen Vorbereitung.
TRA: Wie würdest du die Stimmung in der Treppenlauf Community beschreiben? Warum bist du so gerne ein Teil davon?
K.H.: Ich verwende in diesem Zusammenhang immer den Begriff Treppenlauf – Familie. Wie so oft in Randsportarten trifft man bei Wettkämpfen immer wieder auf dieselben Eliteläufer. Natürlich schenken wir uns im Treppenhaus nichts und jeder kämpft um jede Sekunde um die anderen zu schlagen. Davor und danach jedoch werden Tipps ausgetauscht, Erfahrungen weitergegeben, Zeit miteinander verbracht und ganz viel gelacht. Ich wurde zum Beispiel bei meiner ersten Auslandsreise zu einem Treppenlauf nach Prag mit 4 anderen Treppenläufern in einer 3 Zimmerwohnung einer tschechischen Treppenläuferin untergebracht, die ich nicht mal kannte. Dort lernte ich Görge Heimann kennen, mit dem mich seither eine besondere Freundschaft verbindet.
TRA: Als Obmann des österreichischen Treppenlaufvereins trägst du noch einiges mehr als sportliche Bestleistungen bei. Beschreibe das breite Spektrum, um uns einen Einblick in die ehrenamtliche Tätigkeit zu geben.
K.H.: Die Vereinsarbeit ist auch mit einigem an Arbeit verbunden. Ich möchte aber betonen, dass mir die Vereinsarbeit genau wie das Treppenlaufen an sich unglaublich viel Spaß macht. Berichte schreiben und in diesem Magazin sammeln, die Homepage warten, das TRA – Stufensiegel ins Leben rufen, sind alles Dinge, die ich mir als Läufer selbst wünschen würde, deshalb mache ich das gerne. Für die Berichte habe ich natürlich gerade den Bonus, dass ich damit auch meine Erfolge dokumentieren und promoten kann und mit dem Magazin auch so etwas wie eine Saisondokumentation erstelle. Ich versuche dabei jedoch möglichst neutral zu bleiben und natürlich die großartigen Leistungen der anderen Österreicher besonders zu würdigen. Es gäbe wie bei so vielen Dingen noch viel mehr Möglichkeiten und ich habe noch unglaublich viele Ideen, die ich irgendwann umsetzen möchte. Mal schauen was sich davon ausgeht, denn wie beim Treppenlaufen ist für mich bei der Vereinsarbeit vieles ein „Kann“ und kein „Muss“ und ich setze mich da nicht unter Druck.
TRA: Du hast heuer mit Platz 8 in der Weltrangliste dein gesetztes Jahresziel (Top 10) erreicht. Gibt es noch Luft nach oben? Was wirst du noch weiter optimieren, um diese Leistung zu übertrumpfen?
K.H.: Diese Saison war echt genial. Ich habe mir mein Tempo hart erarbeitet, aber es hat an den Wettkampftagen auch immer alles gepasst. Ich habe viele neue Sachen ausprobiert (Anreise mit dem Nachtzug, Umstieg auf Barfußschuhe, Lauf-ABC im Treppenhaus, etc.) und es ist eigentlich immer alles aufgegangen.
Für die neue Saison habe ich mit professionellem Coaching und Höhentrainingslager bereits wieder ein paar Stellschrauben im Blick, mit denen ich denke, dass ich meine Leistung noch eine Spur verbessern kann. Im Optimalfall habe ich Platz 6 in der Weltrangliste im Blick, denn dann würde ich die beste Platzierung eines Österreichers im Weltcup (Rolf Majcen 2010) einstellen. Aber ehrlich gesagt wird es schon schwierig genug diese tolle Saison zu bestätigen und meine gewonnenen Punkte zu verteidigen. Mal sehen was kommt. Sicher ist jedoch, dass auch die Saison 2026 wieder schöne Erlebnisse mit der Treppenlauf – Familie bereithalten wird!
TRA: Vielen Dank!
